* Lehrgänge - Fragen zur Prüfung der Sachkunde nach §31 WaffG*

Lehrgänge

Schützenkreis Rottweil
Württembergischer Schützenverband 1850 e.V.

Sachkunde: Teil B. Waffentechnische Fragen

1. Einteilung der Schußwaffen - Technische Waffenbegriffe

    Aus welchen Teilen besteht eine Schußwaffe?

    • Wesentliche Teile einer Schußwaffe sind
      • der Lauf,
      • der Verschluß ( Schloß ),
      • das Patronenlager,
      • bei Kurzwaffen das Griffstück oder sonstige Waffenteile, die zur Aufnahme des Auslösemechanismus bestimmt sind.
      • Weitere Teile einer Schußwaffe sind
      • die Abzugsvorrichtung,
      • die Visiereinrichtung,
      • der Schaft ( Griffstück ) und ggf. die Mehrschußeinrichtung ( Magazin oder Trommel)

    Welchen Zweck hat der Verschluß einer Schußwaffe?

    • Er soll das Patronenlager nach hinten abschließen und der Patronenhülse als Gegenlager dienen.

    Welchen Zweck haben die Sicherungen an Schußwaffen?

    • Sicherungen dienen dazu, die unbeabsichtigte Schußauslösung zu verhindern.

    Durch welche Vorrichtung wird eine Waffe gesichert?

    • Durch die Sicherung. Die Betätigung der Sicherung erfolgt durch
      • Schieber,
      • Hebel oder Flügel
    • entweder
      • selbsttätig beim Spannen der Waffe ( automatische Sicherung ) oder
      • von Hand.

    Wirken die Sicherungen an Schußwaffen unbedingt sicher?

    • Nein! Beim Fallen oder beim harten Anstoßen einer geladenen Waffe kann ein Schuß ausgelöst werden.

    Was ist ein Einstecklauf?

    • Ein Lauf mit einem Patronenlager, der in den Lauf einer Schußwaffe eingesteckt wird, um Munition mit einem kleineren Kaliber zu verschießen.

    Wie ist zu erkennen, welche Munition oder Geschosse aus der Waffe verschossen werden können?

    • bei Schußwaffen zum Verschießen von Munition an der auf der Schußwaffe angebrachten Bezeichnung der Munition
    • bei Schußwaffen, in denen keine Munition verwendet wird, an der auf der Schußwaffe angebrachten Kaliberangabe.

    Welche Maße des Laufs bzw. des Patronenlagers sind entscheidend für die Munition oder die Geschosse, die aus der Waffe verschossen werden können?

    • Das Laufkaliber und die Abmessungen des Patronenlagers.

    Was versteht man unter Kaliber?

    • Kaliber bedeutet Durchmesser des Geschosses bzw. Innendurchmesser des Laufes.In Waffen mit gezogenen Läufen unterscheidet man zwischen :
      1. Feldkaliber = Felddurchmesser
      2. Zugkaliber = Zugdurchmesser
      3. Geschosskaliber = Geschoßdurchmesser

    Warum genügt im allgemeinen die Angabe des Kalibers auf der Schußwaffe nicht?

    • Weil es Munition mit verschiedenen Abmessungen und Ladungen bei gleicher Kaliberangabe gibt.

    Nach welchen Merkmalen ist die Gefährlichkeit einer Schußwaffe zu beurteilen?

    • nach der Möglichkeit, schnell mehrere Schüsse abgeben zu können ( Schußwaffen mit mehreren Läufen oder mit Magazin ),
    • nach der Bewegungsenergie, die den Geschossen mit diesen Waffen erteilt werden kann.

    Was sind Einsätze oder Adapter?

    • Einsätze oder Adapter werden in das Patronenlager einer Waffe eingesetzt, um Munition mit kleinerem Volumen verschießen zu können. Die Geschosse haben den gleichen Durchmesser wie die Originalmunition. als Lauf wird der Lauf der Originalwaffe benutzt.

2. Handhabung der Schußwaffen

    Welche Grundregeln sind beim Umgang mit Schußwaffen unbedingt zu beachten, wenn andere Personen in der Nähe sind?

    • Die Waffe darf unter keinen Umständen auf Menschen gerichtet sein, auch wenn man glaubt oder weiß, daß sie nicht geladen ist.
    • Die Waffe darf nur zur unmittelbaren Schußabgabe geladen werden. Nach Beendigung des Schießens ist sofort zu entladen.
    • Muß eine Waffe in geladenen Zustand geführt werden, ist Vorsorge zu treffen, daß sie nicht aus der Halterung fallen kann.

    Wie wird eine Schußwaffe beim Öffnen, Spannen, Laden und Endladen gehalten?

    • Man wendet sich von den umherstehenden Personen ab und richtet bei Kipplaufgewehren, Revolvern und Pistolen die Laufmündung nach unten, bei Repetiergewehren dagegen stets nach oben.

    Was ist beim Schießen mit mehrläufigen Schußwaffen hinsichtlich der Schußbereitschaft besonders zu beachten?

    • Es ist besonders zu beachten, daß nach der Abgabe nur eines Schusses die Waffe immer noch geladen sein kann.

    Was ist beim Schießen mit Selbstladewaffen hinsichtlich der Schußbereitschaft besonders zu beachten?

    • Bei Selbstladewaffen ist zu beachten, daß nach dem Auswerfen der abgeschossenen Patrone eine neue Patrone in das Patronenlager eingeführt wird und die Schußwaffe somit wieder geladen und entsichert ist!!!!

    Was ist beim Schießen mit Revolvern hinsichtlich der Schußbereitschaft besonders zu beachten?

    • Nach Abgabe des ersten Schusses wird beim Spannen des Hahnes von Hand (single action) oder beim teilweise Durchziehen des Abzuges (double action) ein Patronenlager mit einer neuen Patrone in Abschußposition gebracht.

    Wie ist eine Selbstladepistole zu entladen?

    • Beim Entladen von Selbstladepistolen müssen möglichst in gesicherten und entspanntem Zustand zuerst das Magazin und dann die Patrone aus dem Patronenlager herausgenommen werden.

    Was ist beim Entladen eines Revolvers zu beachten?

    • Alle Lager der Trommel müssen entleert werden. Bei Revolvern ohne Schwenkbare Trommel- oder Kipplaufeinrichtung muß sich der Hahn im Sicherheitsrast befinden.

    Wie verhalten Sie sich beim Versagen eines Schusses?

    • Wird der Schuß nach der Betätigung des Abzuges nicht sofort ausgelöst, muß damit gerechnet werden, daß die Schußauslösung doch noch mit einer gewissen Verzögerung erfolgt. Während der Wartezeit ist besonders darauf zu achten, daß der Lauf in eine ungefährliche Richtung zeigt. Nach einer Wartezeit von 10 Sekunden kann die Waffe geöffnet werden.
    • Bei der Entfernung einer nicht gezündeten Patrone, die im Patronenlager festsitzt, ist besondere Vorsicht geboten. Zur Entfernung der Patrone dürfen keine scharfkantigen, aus funkengebendem Material bestehenden Werkzeuge verwendet werden.

    Woran erkennt man im allgemeinen, ob eine Schußwaffe gesichert oder entsichert ist?

    • Im allgemeinen wird bei der Entsicherung ein roter Punkt oder ein "F" ( = Feuer, fire, feu ) und im gesicherten Zustand ein "S" ( = sicher, sure, sûr ) sichtbar. Bei manchen Waffen tritt, solange die Feder des Schlagbolzens gespannt ist, ein Stift aus dem Verschluß.

    Woran erkennt man, welche Munition aus einer Schußwaffe verschossen werden kann?

    • Die Bezeichnung der Munition muß mit der Angabe auf der Schußwaffe übereinstimmen.

    Wie verhalten Sie sich bei Versagern von Signalmunition?

    • Eine Minute warten - Mündung abwärts richten - Waffe entladen.

3. Ballistik

    Was versteht man unter Reichweite eines Geschosses ?

    • Beispiele:
      • 22 kurz - 1000 m
      • 22 lfB 1200 - 1400 m
      • 6,35 mm - 900 m
      • 7,65 mm - 1400 m
      • 9 mm Para - 2000 m
      • 32 S&W lang - 1200 m
      • 38 Spezial - 1500 m
      • 44 Magnum - 2000 m
      • 7,62 x 51 - 5000 m
      • Flintenlaufgeschosse - 1200 m
      • Schrotpatronen - 350 m

        ( Faustregel: 100 x Schrotgröße in mm, z.B. Schrot 3 mm, Reichweite 300m )

    Was versteht man unter der Steighöhe eines Geschosses?

    • Unter Steighöhe versteht man die Entfernung zwischen Laufmündung und Scheitelpunkt der Geschoßbahn bei senkrecht nach oben abgegebenen Schuß.

    Was versteht man unter Streuung der Geschosse?

    • Unter Streuung versteht man die Abweichung des Einzelgeschosses von der gewünschten Flugbahn.
    • Bei Schrotschuß nimmt der Streukreis der Schrote mit der Entfernung stark zu, er kann durch die Gestaltung des Laufendes der Flinte ( Choke ) beeinflußt werden.

    Was verstehen Sie unter Drall bei Waffen mit gezogenen Läufen?

    • Unter Drall versteht man bei Waffen mit gezogenen Läufen den Schraubenförmig gewundenen Verlauf der Züge und Felder im Inneren des Laufes. Der Drall bewirkt, daß das Geschoß beim Durchgang durch den Lauf eine sehr schnelle Drehung um seine Längsachse erfährt. Die Zahl der Umdrehungen, die ein Geschoß beim Verlassen des Laufes hat, hängt von der Drallänge und der Geschwindigkeit ab, sie beträgt etwa 3000 bis 3500 in der Sekunde.

    Welchen Zweck hat der Drall?

    • Die durch den Drall bewirkte schnelle Umdrehung des Geschosses ist für die Flugstabilität erforderlich. Durch die Drehung des Geschosses wird sein Kippen während des Fluges verhindert.

4 Langwaffen

    Welche Arten von Langwaffen ( Gewehren ) unterscheiden wir?

    • Wir unterscheiden
      • Ein- oder mehrläufige Gewehre mit gezogenen Läufen ( Büchsen ),
      • Ein- oder mehrläufige Gewehre mit glatten Läufen ( Flinten )
      • Mehrläufige Gewehre mit glatten und gezogenen Läufen ( kombinierte Gewehre )

    Welche Arten von Gewehren mit gezogenen Läufen kennen Sie?

    • Gewehre, die zum Antrieb keine Munition verwenden (Luftdruck- und CO2 - Gewehre),
    • Gewehre zum Verschießen von Randfeuerpatronen, z.B. Zimmerstutzen für die 4 -mm-Randzünder und K-K-Gewehre für die Patrone Kal. 6,5 mm oder 22 (Sportwaffen),
    • Jagdgewehre ( Pirschbüchsen ) ab Kaliber 5,6 mm. Wenn die Gewehre lang geschäftet sind, werden sie Stutzen genannt.

    Wie ist die Kaliberbezeichnung bei Flinten?

    • Die Kaliberbezeichnung ist nicht das Maß des Innendurchmessers des Flintenlaufes. Die Kaliberangabe entspricht vielmehr der Zahl der Bleikugeln vom Laufdurchmesser, die zusammen ein englisches Pfund ( 453,6 g ) wiegen. Daraus ergibt sich, daß die größere Kaliberzahl den kleineren Durchmesser ergibt.

5. Kurzwaffen

    Welche Arten von Kurzwaffen gibt es?

    • Wir unterscheiden
      • Revolver und Pistolen zum Verschießen von Patronenmunition,
      • Luftdruck- und CO2 - Pistolen,
      • Schreckschuß-, Reizstoff- und Signalwaffen.

    Welches sind die typischen Merkmale eines Revolversystems?

    • Der Revolver ist eine mehrschüssige Waffe mit einem Magazin, das als drehbare Trommel gearbeitet ist.
    • Patronenlager und Lauf sind getrennt.

    Sind Revolver "Selbstladewaffen" im Sinne des Waffengesetzes?

    • Double-Action-Revolver sind Selbstladewaffen im Sinne des Waffengesetzes.
    • Single-Action-Revolver sind keine Selbstladewaffen.

    Was bedeuten die Begriffe "Single-Action" und "Double-Action"?

    • Bei Single-Action muß man den Hahn ( Hammer ) von Hand spannen und löst ihn durch das Ziehen am Abzug aus seiner Rast.
    • Double-Action bedeutet, daß bei der Betätigung des Revolverabzuges zunächst die Trommel weitergedreht wird, so daß das nächste Lager mit einer neuen Patrone vor den Lauf und den Schlagbolzen zu liegen kommt, gleichzeitig wird dabei die Feder gespannt. Beim weiteren Durchziehen des Abzuges schnellt der Hahn nach vorn und löst den Schuß aus.

    Welches sind die typischen Merkmale der Selbstladepistolen?

    • Das Magazin befindet sich meistens im Griff oder vor dem Abzug,
    • durch den Rückstoß wird der Selbstlademechanismus betätigt und durch ihn die leere Hülse ausgeworfen, eine neue Patrone aus dem Magazin in das Patronenlager eingeführt und der Schlagbolzen gespannt.

    Welche Arten von Pistolen gibt es?

    • Man unterscheidet
      • einschüssige Einzelladerpistolen ( Vorderlader, Terzerole, einschüssige Derringer, Scheibenpistolen im Kaliber 22 lfB,
      • mehrläufige Pistolen, heute nur noch der zweiläufige Derringer in der Herstellung,
      • Selbstladepistolen.

    Welche Arten von Selbstladepistolen unterscheidet man nach ihren Verschlußsystem?

    • Nach ihrem Verschlußsystem unterscheidet man zwei Hauptgruppen:
      1. Selbstladepistolen mit feststehendem Lauf und halbstarr oder unstarr verriegeltem Verschluß. Bei dieser Verschlußart ist der Lauf in das Gehäuse eingeschraubt bzw. so gelagert, daß er sich beim Schuß nicht in der Längsrichtung bewegen kann. Das Verschlußstück ist auf dem Gehäuse gleitbar angebracht und wird durch eine kräftige Feder gegen das hintere Laufende gezogen.
      2. Selbstladepistolen mit beweglichem Lauf und starr verriegeltem Verschluß. Lauf und Verschluß trennen sich erst voneinander, wenn sie fest verbunden eine Strecke miteinander zurückgegangen sind. Während dieser Zeit soll das Geschoß den Lauf bereits verlassen haben. Sobald sich bei der Rückwärtsbewegung die Verriegelung gelöst hat, setzt das Verschlußstück infolge seines Beharrungsvermögens diese Bewegung fort, bis es durch Anstoßen am Gehäuse aufgehalten und durch die Schließfeder wieder nach vorn getrieben wird.

 6. Munition

    Aus welchen Angaben besteht die Bezeichnung der handelsüblichen Munition?

    • Die Bezeichnung der handelsüblichen Munition muß den Festlegungen in der Anlage III der 3.WaffV entsprechen.
      • Im allgemeinen besteht die Bezeichnung der deutschen Munition aus der Angabe des Kalibers und der Länge der Hülse in mm, soweit erforderlich wird noch eine Zusatzangabe gemacht.
      • Bei der Munition, die in den USA oder in England entwickelt wurde, besteht die Bezeichnung der Munition aus Kaliberangabe in Zoll, wobei die Ziffer vor dem Komma weggelassen wird, in den meisten Fällen wird der Kaliberangabe ein Zusatz angehängt.

    Welche Zusatzangaben in der Bezeichnung kennen Sie?

    • Zusatzangaben sind:
      • Angaben über den Hersteller, z.B. Mauser, Winchester, Remington, Colt
      • Angaben über das Einführungsjahr, z.B. 30-06,1906 eingeführt,
      • Angaben, die auf die Besonderheit der Form oder der Ladung hinweisen, z.B. 22 kurz, 22 lang für Büchsen, 38 Spezial.
      • bei den Büchsenpatronen bedeutet der Zusatz "R", daß die Patrone einen Rand hat.

    Was bedeutet die Bezeichnung "Magnum"?

    • "Magnum" bezeichnet die stärkste Ladung einer Patrone. Diese Munition darf nur aus Waffen verschossen werden, die entsprechend geprüft sind.

    Welche Zündungsarten gibt es bei der Munition?

    • Man unterscheidet Patronen mit
      • Zentralfeuerzündung; das Zündhütchen ist hierbei in der Mitte des Patronenbodens (also zentral) angeordnet und wird durch einen Schlagstift der Waffe zur Entzündung gebracht,
      • Randfeuerzündung; zumeist bei Kleinkaliberpatronen; sie werden am Rande der Hülse vom Schlagstift getroffen und gezündet.

    Aus welchem Material besteht ein Einzelgeschoß?

    • Günstigstes Geschoßmaterial ist das Blei. Bei höheren Geschoßgeschwindigkeiten muß das Blei mit einem Mantel umgeben werden, um das Führen der Geschosse in den Zügen zu garantieren; der Mantel kann aus Kupfer, Tombak ( Kupferlegierung ) oder Stahl ( Flußeisen ) bestehen.

    Welche Einzelgeschoßarten unterscheidet man hinsichtlich ihrer Ummantelung?

    • Man unterscheidet
      • Teilmantelgeschosse, bei denen an der Spitze der Bleikern freiliegt,
      • Vollmantelgeschosse,
      • Spezialgeschosse, bei denen der Mantel aus mehreren Teilen besteht und den Erfordernissen der Zerlegbarkeit des Geschosses angepaßt ist.

    Was ist bei der Überprüfung von Signalmunition zu beachten?

    • Originalverpackung auf Unversehrtheit, Einzelpatronen aus angebrochenen Packungen auf Oxydation und Beschädigung prüfen.

    Welche Steighöhe erreicht das Signal einer Signalpatrone?

    • Das Signal einer Signalpatrone erreicht eine Steighöhe von 80 bis 120 m, mit Fallschirm bis 130 m.

    Woran erkennt man die rote Signalmunition?

    • Man erkennt sie am roten Lackverschlußdeckel und an der durchgehenden Zahnung des Patronenbodens. Patronen ausländischer Herkunft weisen diese Kennzeichen nicht immer auf.

    Woran erkennt man, bis zu welchem Zeitpunkt die Signalmunition verschossen werden darf?

    • Dieser Zeitpunkt ist auf der Verpackung und auf der Hülse angegeben


© 2013 - Schützenkreis Rottweil
Untergliederung des WSV 1850 e.V.

© Design by Matthias Steis